Dies ist das Archiv vom Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung Ahaus. 
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Die aktuelle Seite des Berufskollegs befindet sich unter www.bwv-ahaus.de

Zwei Industriemittelstufenklassen des Berufskollegs Wirtschaft und Verwaltung Ahaus wissen dies nach einer Exkursion zur Flowserve Ahaus GmbH durch erfolgreiches Qualitätsmanagement zu verhindern!

Die angehenden Industrie­kaufleute lernen das Thema Qualitätssicherung und -management gerade in der Berufsschule kennen. Sie werden dabei u. a. mit den Begriffen TQM (Total Quality Management), KVP (Kontinuierlicher Verbesserungsprozess), Lean Production, PDCA-Kreislauf (Plan-Do-Check-Act) und DIN EN ISO 9000 ff. (weltweit gültige Qualitätsnormen) konfrontiert.

Dass sich ein ausgeprägtes Qualitätsmanagement lohnt, bewies die Flowserve Ahaus GmbH den knapp 60 Schüler*innen des Bildungsgangs Industriekauffrau/Industriekaufmann. Im Rahmen einer Exkursion zum Ahauser Tochterunternehmen des internationalen Flowserve-Konzerns haben die Schüler*innen an Praxisbeispielen eindrucksvoll erfahren, wie Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung im Industrieunternehmen mit allen Abteilungen umgesetzt werden können.

Jörg-Christian Harnisch, Standortleiter und Geschäftsführer der Flowserve Ahaus GmbH, erklärte den angehenden Industriekaufleuten, dass durch einen defekten Kugelhahn ein Produktionsausfall eines Kraftwerks ausgelöst werden kann, der schnell einen Schaden von einer Million Euro pro Tag verursachen kann. Dies verdeutlicht, warum die Kunden großen Wert auf Qualität legen.

Deshalb sind die Produkte des Herstellers von Armaturen wie Kugel- und Kükenhähnen für zahlreiche Anwendungsgebiete zertifiziert. Die verschiedenen DIN-Zertifikate reichen jedoch teilweise nicht aus. So verlangen die Kunden aus der Petrochemie und Energiewirtschaft umfangreiche und kundenindividuelle Prüfungen sowie entsprechende Testberichte vor der Produktauslieferung. Schließlich können bei kleinsten Undichtigkeiten z. B. aggressive oder sogar toxische Stoffe schwere Schäden verursachen.

Nach der Begrüßung stellte der Geschäftsführer das Unternehmen vor und gab einen Ausblick über die Entwicklung und Herausforderungen des Qualitätsmanagements sowie die Sicherung der hohen Qualitätsanforderungen im Rahmen einer smarten Fabrik. Im Anschluss wurden die Qualitätsaspekte durch die Verantwortlichen Mitarbeiter*innen vorgestellt. Einige Auszubildende nutzten die Chance, Fragen aus dem Unterricht direkt von den Expert*innen praxisnah beantworten zu lassen. Anschließend haben die angehenden Industriekaufleute die Umsetzung des Qualitätsgedankens hautnah in der Produktion bei einem geführten Rundgang erfahren.

Das Total Quality Management umfasst alle Bereiche und alle Mitarbeiter*innen des Unternehmens. Dies wurde durch die Vorstellung der Themenbereiche Commercial Operations, Engineering, Supply Chain, Quality Management, Lean/KVP Industrie 4.0 und HSE – Health, Safety & Environment hervorgehoben.

Commercial Operations

Der Commercial Operations-Mitarbeiter Michael Neteler muss in seinem Aufgabenbereich die interne und externe Kommunikation mit allen Beteiligten sicherstellen. Dazu hält er einen engen Kontakt im Rahmen des Customer Relationship Managements zu den Kunden mit ihren Qualitätsanforderungen. Auf Basis der Kundeninformationen und der Verbindung zu den internen Abteilungen unterstützt er strategische Entscheidungen.

Engineering

Im Engineering werden Produkte am Computer gezeichnet. Mit EDV-gestützten Simulationen testet das Entwicklerteam unterschiedliche Belastungen. Dann wird eine so genannte Nullserie hergestellt, so Konstruktionsleiter Thomas Boonk. Eine Auslieferung an den Kunden ist bei der Nullserie noch nicht angedacht. Sie wird nur dazu genutzt, umfangreiche Praxistests durchzuführen. Erst wenn diese positiv verlaufen sind, kann die Fertigungsplanung für den Kunden beginnen.

Supply Chain

Der Einkaufsleiter Stefan Höing stellte die Lieferantensuche mit ihren umfassenden Anforderungen vor. Die Materialanlieferung erfolgt aus der ganzen Welt, wobei Flowserve den größten Anteil noch aus Deutschland bezieht. Das angelieferte Material wird einer strengen Eingangskontrolle unterzogen.

Quality Management

Die Ziele des Quality Managements sind zufriedene Kunden, stabile Prozesse und die ständige Verbesserung. In einer Gegenüberstellung von Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung zeigte der QM-Leiter Christian Alfert, dass Kennzahlen in regelmäßigten Treffen der Beteiligten analysiert und darauf basierend Maßnahmen ergriffen werden. Durch die technischen Entwicklungen können immer genauere Kennzahlen ermittelt und bessere Qualitätsmaßnahmen umgesetzt werden. Herr Alfert zeigte, dass Qualitätsprüfungen nicht nur am Ende der Produktion durchgeführt werden, sondern den kompletten Prozess vom Wareneingang bis zu Abnahmeprüfzeugnissen für die Kunden begleiten.

Lean/KVP Industrie 4.0

Die den Schüler*innen aus dem Unterricht bekannte Lean Production spielt auch in der Fertigung von Flowserve eine wichtige Rolle. Zum Beispiel ist Verschwendung möglichst zu vermeiden, erläuterte Produktionsleiter Ralph Hebsaker. In einer Führung durch die Produktionshalle erkannten die Schüler*innen, dass die Materialien und Maschinen in der Fertigung nach der Arbeitsfolge organisiert werden. So können Lagerplätze eingespart und Transportwege reduziert werden. Herr Hebsaker betonte, dass die Vernetzung der Produktion durch Industrie 4.0 und 5G den Entscheidungsträger*innen immer genauere und schneller verfügbare Informationen liefert, die im Plan-Do-Check-Act-Kreislauf das Finden von praktischen Lösungen zur kontinuierlichen Verbesserung ermöglicht.

Health, Safety & Environment

Laura Rotermann stellte im Rahmen des HSE (Health, Safety & Environment) das aktuelle Qualitätsziel „ZERO“-Unfälle vor. Sicherheit gehört dabei zu den sechs zentralen Werten von Flowserve. Zur Erreichung des Ziels wurden u. a. in diesem Jahr Sicherheitskampagnen, die Safety Week 2019, das jährliche SHEA (Safety, Health & Environmental Audit) und regelmäßige Sicherheitsunterweisungen durchgeführt.

(von links nach rechts: Petra Fahlenbreder, Hendrik Brügging, Michael Neteler, Irene Blaue, Johannes Gellenbeck, Ralph Hebsaker, Thomas Boonk, Stefan Höing, Laura Rotermann, Christian Alfert, Torsten Meinel, Elke Behmenburg, Jörg-Christian Harnisch)

Im Anschluss an den Rundgang durch die Produktion mit dem Montagemeister Johannes Gellenbeck bedankten sich die Lehrer*innen (Elke Behmenburg, Petra Fahlenbreder, Hendrik Brügging, Torsten Meinel) bei Herrn Jörg-Christian Harnisch, Frau Irene Blaue und ihrem ganzen Team für die tolle Vorbereitung und Durchführung sowie das leckere Buffet mit einem kleinen Präsent, das der Förderverein des Berufskollegs Wirtschaft und Verwaltung Ahaus gesponsert hat. Abschließend betonte die Personalabteilungsleiterin, Frau Blaue, dass qualifizierte Mitarbeiter*innen die Grundlage für den Qualitätsprozess und auch insgesamt für den Unternehmenserfolg bilden.